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Fenster undicht? Erst prüfen, dann einstellen

Nicht jeder gefühlte Luftzug am Fenster ist eine Undichtigkeit. Ist die Scheibe deutlich kälter als der Raum, fällt kalte Luft an ihr herunter, und das fühlt sich an wie Zug, obwohl das Fenster dicht schließt. Prüfen Sie deshalb mit Papier und Kerze, bevor Sie zum Werkzeug greifen. Erst danach lohnt sich das Nachstellen.

Kurz gefasst

  • Kalte Luft, die an der Scheibe herunterfällt, ist kein Luftzug. Nachstellen hilft dort nicht.
  • Der Papiertest zeigt in einer Minute, ob der Flügel wirklich zu locker anliegt.
  • Einen offiziellen Wintermodus gibt es nicht. Die Verstellung gleicht alternde Dichtungen aus.
  • Zu hoher Anpressdruck schadet Dichtung und Beschlag und begünstigt Kondenswasser.
  • Manche Fenstertypen lassen sich konstruktionsbedingt nicht einstellen.

Zieht es wirklich? Der Test vor dem Werkzeug

Drei Prüfungen, alle in wenigen Minuten erledigt, alle vor der ersten Schraube.

Der Papiertest. Legen Sie ein Blatt Papier zwischen Flügel und Rahmen und schließen Sie das Fenster. Lässt sich das Blatt leicht herausziehen, liegt der Flügel an dieser Stelle zu locker an. Wiederholen Sie das oben, unten und an beiden Seiten, denn ein Fenster kann an einer Ecke dicht sein und an der anderen nicht.

Der Kerzentest. Führen Sie eine Kerze oder ein Räucherstäbchen bei geschlossenem Fenster langsam am Rahmen entlang. Flackern oder seitlich gezogener Rauch zeigt bewegte Luft. Prüfen Sie dabei auch die Fuge zwischen Rahmen und Mauerwerk und den Rollladenkasten, nicht nur den Flügel.

Die Handprobe. Fahren Sie mit dem Handrücken langsam die Fugen ab. Der Handrücken spürt Luftbewegung besser als die Handfläche.

Notieren Sie, wo Sie fündig werden. Das Muster sagt mehr als das einzelne Ergebnis: eine Undichtigkeit nur an der Griffseite deutet auf den Anpressdruck, eine rundherum auf die Dichtung, eine an der Laibung auf die Anschlussfuge.

Kalte Luft ohne Zugluft: der Konvektionseffekt

Dieser Abschnitt fehlt in fast jeder Anleitung und erklärt einen großen Teil der Beschwerden.

Ist die Glasoberfläche deutlich kälter als die Raumluft, kühlt die Luft an der Scheibe ab, wird schwerer und sinkt nach unten. Am Boden strömt sie in den Raum, und an den Beinen fühlt sich das an wie Zug aus einem Spalt. Fachleute nennen die Grenze grob bei einem Unterschied von etwa drei Grad zwischen Raumluft und Fensteroberfläche.

Das Fenster ist dabei völlig dicht. Es gibt keinen Spalt, durch den etwas strömt, und deshalb ändert kein Nachstellen etwas an dem Gefühl.

So unterscheiden Sie die beiden Fälle: Bei Konvektion bewegt sich die Kerzenflamme am Rahmen nicht, das Papier klemmt fest, und der Zug ist unten am Boden spürbar statt an der Fuge. Bei einer echten Undichtigkeit ist es umgekehrt.

Was gegen Konvektion hilft, ist eine wärmere Glasoberfläche, also bessere Verglasung, oder eine Wärmequelle unter dem Fenster. In Altbauten stehen Heizkörper genau deshalb unter den Fenstern.

Welches Werkzeug brauchen Sie?

Fünf Dinge decken die meisten Einstellarbeiten ab.


  • Inbusschlüssel, meist 4 mm, in einem Satz.
  • Kreuz- und Schlitzschraubendreher.
  • Maulschlüssel oder Zange für ältere Zapfen.
  • Wasserwaage zur Kontrolle des Flügels.
  • Allzwecköl für die Beschlagteile.

Bei manchen Beschlägen sitzt am Zapfen ein Torx statt eines Sechskants. Prüfen Sie das, bevor Sie mit ungeeignetem Werkzeug ansetzen und den Kopf beschädigen.

Zusätzlich hilfreich: ein Blatt Papier für die Kontrolle nach jedem Schritt, und ein Foto der Ausgangsstellung jedes Zapfens auf dem Handy. Wer sich verstellt, kommt so zurück, ohne raten zu müssen.

Wo sitzt die Undichtigkeit?

Der Flügel ist nur eine von fünf möglichen Stellen, und die vier anderen werden regelmäßig übersehen.

Die dritte Zeile ist die wichtigste und die teuerste, wenn sie übersehen wird. Wurde die Fuge zwischen Rahmen und Mauerwerk beim Einbau nicht ordentlich gedämmt, zieht es hinter dem Rahmen vorbei, und am Flügel lässt sich nichts nachstellen, was daran etwas ändert.


Prüfen Sie deshalb mit der Kerze ausdrücklich die Linie zwischen Rahmen und Putz, rundherum. Bewegt sich die Flamme dort und nicht an der Flügelfuge, liegt es nicht am Beschlag.

Wenn das Fenster ausgehängt ist

Ein ausgehängter Flügel entsteht meist so: Das Fenster stand in Kippstellung, und jemand hat zusätzlich den Griff auf Drehen gestellt.

Der Flügel hängt dann nur noch am unteren Lager und kippt oben nach vorn.

Gehen Sie in dieser Reihenfolge vor.

Halten Sie den Flügel fest, damit er nicht weiter absackt. Drücken Sie den Flügel oben an den Rahmen zurück, sodass die Schere wieder greift.

Bei vielen Beschlägen sitzt am Griffgetriebe ein Fehlbedienungssperrhebel, den Sie dabei gegen den Flügel drücken müssen. Stellen Sie den Griff dann in die Position, die zur aktuellen Flügelstellung passt, und schließen Sie normal.

Zwei Hinweise. Ein schwerer Flügel gehört zu zweit gehalten, weil ein herabfallender Flügel Glasbruch und Verletzungen verursacht. Und wenn sich der Flügel nicht ohne Kraft einhängen lässt, hören Sie auf und rufen einen Fachbetrieb. Gewalt beschädigt Schere und Ecklager dauerhaft.

Vorbeugend hilft nur eines: den Griff immer erst bewegen, wenn das Fenster geschlossen anliegt.

Sehen Sie hier unsere Haustüren.

Anpressdruck einstellen: Schritt für Schritt

Nur ausführen, wenn der Papiertest eine zu lockere Stelle gezeigt hat.

  1. Fenster öffnen oder in Kippstellung bringen.
  2. Am Flügelrand die Schließzapfen suchen, meist rund oder oval.
  3. Die Markierung am Zapfen ansehen und fotografieren.
  4. Den ersten Zapfen mit passendem Werkzeug eine Viertelumdrehung drehen.
  5. Fenster schließen, Papiertest an dieser Stelle wiederholen.
  6. Fenster öffnen, erst dann den nächsten Zapfen einstellen.
  7. Alle Zapfen gleichmäßig einstellen, keinen auslassen.
  8. Zum Schluss prüfen, ob der Griff noch leicht läuft.

Drei Regeln entscheiden über das Ergebnis. Nie mehr als eine Umdrehung an einem Zapfen. Immer einzeln und nacheinander, weil sonst nicht mehr nachvollziehbar ist, welcher Zapfen was bewirkt hat. Und gleichmäßig über alle Zapfen, weil ungleicher Druck den Flügel verzieht.

Lässt sich der Griff danach nur noch schwer bewegen oder schleift der Flügel, ist der Druck zu hoch. Stellen Sie zurück, statt das Fenster mit Kraft zu schließen.

Bei sehr alten Fenstern ohne verstellbare Zapfen läuft die Korrektur über Ecklager und Scherenlager. Das ist heikler und gehört im Zweifel in fachliche Hände.